wettbewerb kornweg
umnutzung der friedhofsgärtnerei hamburg-ohlsdorf
gemeinschaftsarbeit mit dipl.-ing. andreas bunk, landschaftsarchitekt bdla
 
 
Städtebaulicher / Landschaftsplanerischer Wettbewerb Kornweg
Erläuterungstext

1.      Die Siedlungsstruktur
Das städtebauliche Konzept sieht die Entwicklung einer klaren, charakteristischen Siedlungsstruktur vor. Entsprechend den natürlichen Höhenverhältnissen verläuft das markante Rückgrat der neuen Siedlung, die zentrale Grünachse, von Nordost nach Südwest. Bei allem Bestreben eine ÑGestalt des Ortesì für die neue Siedlung zu entwickeln, stellt die verträgliche Einpassung in das städtebauliche Umfeld ein weiteres zentrales Ziel des Entwurfes dar.
Die Siedlung Kornweg gliedert sich in vier Quartiere mit jeweils eigenständigem Charakter, einem breiten Angebot vielfältiger Gebäudestrukturen bzw. Ausstattung. Es soll so ein weiter Kreis von Interessenten angesprochen und eine möglichst vielfältige Durchmischung erzielt werden. Die Quartiere können jeweils von unterschiedlichen Bauträgern aufgeschlossen und sukzessive realisiert werden.
Die verschiedenen Bereiche der Siedlung sind beidseitig entlang der zentralen Grünachse gruppiert. Da die Haupterschließung für alle Verkehrsteilnehmer von dieser Achse aus erfolgt, wird sich auch ein ortsunkundiger Besucher rasch orientieren können.
Durch die vorgesehenen kompakten Bebauungsstrukturen und die sparsamen Erschließung sollen nicht nur die Erschließungsaufwendungen minimiert werden. Innerhalb der neuen Siedlung Kornweg sollten auch möglichst wenige Flächen versiegelt werden. Die Schaffung von großzügigen, vielfältig nutzbaren Freiflächen ist ein wichtiges Entwicklungsziel.


 
2.    Die Verkehrserschließung
Auf Grund der guten Erschließung durch den ÖPNV wird dem Fußgänger- und Radverkehr innerhalb der Siedlung der Vorzug vor dem motorisierten Individualverkehr (MIV) gegeben.
Die Erschließung für den MIV erfolgt ausschließlich durch die S-Bahnunterführung ÑKleine Horstì. Von hieraus gelangt man über einen Kreisverkehr zur Haupterschließungsstraße. Hierdurch wird die Geschwindigkeit des MIV auf die für die gesamte Siedlung vorgesehenen 30 km/h reduziert. In Notfällen besteht für Rettungsfahrzeuge die Möglichkeit, über die Rad- und Fußwegeverbindung in die Straße ÑSodenkampì zu gelangen.
Der ruhende MIV wird auf Stellplatzanlagen und z.T. innerhalb den Erdgeschosszonen der Wohngebäude untergebracht. Im Reihenhausquartier kann die Unterbringung des ruhenden Verkehrs auch in Tiefgaragen - wie im Plan dargestellt - erfolgen. Die Stellplatzanlagen werden mit Ausnahme des nordöstlichen Quartiers direkt von der Haupterschließungsstraße aus angefahren. Hier erfolgt die Erschließung über eine Stichstraße, die von der Haupterschließung abzweigt. So wird eine Zerschneidung der Grünachse vermieden.
Die kompakten Quartiere selbst sind weitgehend frei vom Kfz-Verkehr. Die Verkehrsflächen zwischen den Wohngebäuden beschränken sich auf die Anforderungen des Fuß- und Radwegeverkehrs sowie der Rettungsdienste.
Für Radfahrer und Fußgänger steht zusätzlich zum Straßennetz ein weit verzweigtes Wegesystem mit fußläufigen Distanzen zur Verfügung, welches die einzelnen Quartiere untereinander und mit der Umgebung verbindet. Hervorzuheben ist hierbei die Wegeverbindung entlang des Friedhofsrandes und der neue Zugang zum Friedhof. Es ist die Möglichkeit vorgesehen, einen weiteren Fußweg zum künftigen zweiten Zugang des S-Bahnhofes ÑKornwegì zu schaffen.


 
3.      Die Quartiere
Im nordöstlichen Bereich des Wettbewerbsgebietes entlang der S-Bahnlinie ist eine linienförmige dreigeschossige Wohnbebauung mit Stadthäusern vorgesehen. In deren Erdgeschossen befinden sich Wohnungen mit unmittelbarem Zugang zum Garten. In den beiden oberen Stockwerken sind jeweils zwei Maisonettewohnungen - z. T. mit Dachgärten - vorgesehen. Die Gebäude werden von Norden aus erschlossen. Auf dieser der S-Bahn zugewandten Seite werdendie weniger empfindlichen Nutzungen innerhalb der Gebäude angeordnet. Die Aufenthaltsbereiche öffnen sich nach Süden zur zentralen Grünachse. Durch die Vor- und Rückbewegung des Gebäudekörpers entstehen unterschiedlich ausgestaltete Freiräume mit jeweils eigenständigen Charakteren.
Das östliche Quartier aus Doppelhäusern bildet den Übergang zur vorhandenen Siedlung im Bereich der Straßen ÑSodenkampì und ÑVor dem Bergeì.
Das südöstliche Reihenhausquartier bildet klar definierte öffentliche und private Freiräume. Während sich die öffentlichen Freiräume dieses Bereiches auf die Kfz-freien Wohnwege beschränken, erhalten die Reihenhäuser im Inneren der Baublöcke Hausgärten. Die Zugänge zu den unterschiedlichen Wohnhöfen werden durch dreigeschossige Kopfbauten hervorgehoben.
Das westliche Quartier besteht aus einzeln stehenden Solitären vom Stadthaustyp. Durch diese aufgelockerte Bebauungsstruktur wird der ökologische und stadträumliche Bezug zwischen dem nördlichen Friedhofsrand und der angrenzenden Kleingartensiedlung sowie darüber hinaus zum Alstertal gewahrt. Die Gebäude erhalten im Erdgeschoss jeweils Wohnungen mit  direktem Zugang zum Garten. Für die Wohnungen im Obergeschoss sind eigene Dachterrassen vorgesehen. Die PKW werden innerhalb der Erdgeschosszone geparkt.

4.  Infrastrukturausstattung
Das neue Wohngebiet erhält eine neue Kindertagesstätte (KITA). Diese ist Teil der sie umgebenden Spiellandschaft, welche sich durch eine intensive Erdmodellierung auszeichnet. Die KITA ist sowohl zu Fuß als auch per Rad gut durch das öffentliche Freiraumsystem zu erreichen. Mit dem PKW fahrende Eltern haben die Möglichkeit, kurzzeitig an der Zufahrtstraße zu parken und zu Fuß ihre Kinder in die KITA zu bringen.
Im Bereich des Eingangsplatzes können bei entsprechenden Bedarf siedlungsbezogene Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen angesiedelt werden.

5.      Die Freiraumstruktur
Der alte Baumbestand aus Eichen ist das charakteristische Gestaltungselement der öffentlichen Freiflächen des neuen Wohngebietes. Um diese Bäume gestalterisch herauszuarbeiten und ihren Bestand dauerhaft zu sichern, sind im Umfeld der Bäume keine Hoch- und Tiefbaumaßnahmen vorgesehen. Die Bäume stehen in einer großzügigen, extensiv gepflegten
Rasenfläche. Die Erschließungswege der Grünflächen  wahren einen möglichst großen Abstand zu den Bäumen, so dass die Maßnahmen zur Gewährleistung des Verkehrssicherheit innerhalb der öffentlichen Freiflächen auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden können. So lässt sich ein größtmöglicher Anteil des ökologisch wertvollen Totholzes der alten Bäume erhalten.
Die umfangreichen Baumneupflanzungen sollen den Altbestand ergänzen, ohne mit diesem zu konkurrieren oder dessen Charakter zu verwässern.
Ein Bolzplatz mit angrenzendem Spielareal für Kinder bzw. Jugendliche sowie die Spiellandschaft entlang des S-Bahn vervollständigen die Freiraumstrukturen.

6.      Die ökologischen Belange
Durch die platzsparende Erschließung des neuen Siedlungsgebietes und durch die kompakte Bebauungsstruktur wird die Versiegelung des Bodens auf ein Mindestmaß begrenzt.
Das gesamte anfallende Niederschlagswasser wird im Graben- und Teichsystem der zentralen Grünachse gesammelt, sofern das Wasser nicht für die Brauchwasserversorgung der Wohnungen Verwendung findet. Durch ein Graben- und Rigolensystem, welches in die Gestaltung der öffentlichen Grünfläche eingebunden ist, wird ein möglichst großer Anteil des Niederschlagswassers zur Versickerung gebracht bzw. durch Retention seine Ablaufgeschwindigkeit reduziert. Entsprechend dem natürlichen Gefälle läuft das überschüssige Wasser allmählich in Richtung Regenwasserrückhaltebecken.
Für die Versorgung des Gebietes mit elektrischer Energie und Heizwärme ist in die Spiellandschaft ein Blockheizkraftwerk integriert.
Die Abschirmung der Lärmemissionen der S-Bahn erfolgt durch die bewegte Spiellandschaft.